Falken: LINKE fordert politische Bildung an den Schulen ab 5. Klasse – auch Sachsen-Monitor zeigte Handlungsbedarf

16. November 2017  Cornelia Falken, Pressemitteilungen

Zum Prioritätenantrag der Linksfraktion (Drs 6/8876) „Politische Bildung in Schulen erneuern – Gemeinschaftskunde modernisieren und ausweiten“ mit Stellungnahme der Staatsregierung erklärt Cornelia Falken, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag (Redeauszüge):

Der konkrete Anlass für die Behandlung unseres Antrages auf dem heutigen Plenum ist die Vorlage eines „Handlungskonzeptes zur Stärkung der demokratischen Schulentwicklung und politischen Bildung an sächsischen Schulen“. Es wurde im Auftrag des Kultusministeriums von einem Expertengremium erarbeitet. Es steht unter der Überschrift: „W wie Werte“. Entstanden ist das Konzept in Reaktion auf den Sachsen-Monitor aus dem Jahr 2016. Die repräsentative Umfrage im Auftrag der Staatsregierung brachte erschreckende Ergebnisse zutage: So waren 46 Prozent der 18 bis 29-Jährigen der Meinung, „Juden versuchen heute, Vorteile daraus zu ziehen, dass sie während der Nazi-Zeit die Opfer gewesen sind.“ Und 49 Prozent stimmten der Aussage zu, „Muslimen sollte die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden.“

DIE LINKE hat in ihrem hier vorliegenden Antrag einige Mindestanforderungen an eine Erneuerung der politischen Bildung in den Schulen gestellt. An der Frage, ob es an Sachsens Schulen zu wenig politische Bildung gibt, hatte sich vor zwei Jahren öffentlicher Streit entzündet. Thomas Krüger, der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, hatte so argumentiert. Er kritisierte in Sachsen eine Bevorzugung der Naturwissenschaften gegenüber der politischen Bildung. Auch der Landesschülerrat beklagte, dass die politische Bildung in Sachsens Schulen zu kurz komme. In Bundesländern wie Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen beginne politische Bildung bereits in der sechsten bzw. in der fünften Klasse. Die Schülervertretung wünschte sich „eine Ausweitung des Gemeinschaftskundeunterrichts“. In Sachen wird  nur in der 9. und 10. Klasse an den Oberschulen und im Gymnasium Gemeinschaftskunde (GMK) unterrichtet. In Sachsen haben Schülerinnen und Schüler 50 Stunden GMK, in Nordrhein-Westfalen dagegen 250 Stunden.

Wir fordern in unserem Antrag – wie die SPD -, die Politische Bildung ab Klasse 5 durchgehend zu erteilen und das Fach in der Stundentafel als ein Zwei-Stundenfach auszuweisen. DIE LINKE fordert eine Modernisierung des Unterrichtsfachs Gemeinschaftskunde. Das bedeutet, „den Unterricht inhaltlich und methodisch auf den neuesten Stand politikwissenschaftlicher und soziologischer Erkenntnisse zu bringen“. Die Modernisierung des Faches soll sich auch im neuen Namen des Unterrichtsfaches dokumentieren: Statt „Gemeinschaftskunde“ soll es künftig „Politische Bildung“ heißen.