Jalaß: Leuchtturm-Strategien scheitern auch in der Hochschulpolitik – statt Exzellenz-Taumel bessere Grundfinanzierung für alle

16. November 2017  Pressemitteilungen, René Jalaß

Zur Landtagsdebatte „Wichtiger Erfolg auf dem Weg zur Exzellenz – Sächsische Spitzenforschung unterstützen und Wissenschaftsstandort Sachsen weiter stärken“ sagt der wissenschafts- und hochschulpolitische Sprecher der Fraktion DIE LINKE, René Jalaß:

Die Staatsregierung feiert sich dafür, dass die TU Dresden und die Universität Leipzig in der zweiten Phase der Exzellenzstrategie bisher erfolgreich sind. Sie vergisst jene, die maßgeblich dazu beitragen. Das sind oft auch junge Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, die trotzdem ihre produktivsten Jahre auf schlecht bezahlten und befristeten Stellen verbringen. Die Exzellenzinitiative bringt ihnen keine besseren Arbeitsbedingungen. Spitzenforschung wird zudem auf Kosten der Lehre gefördert. Gleichzeitig greift unternehmerisches Denken um sich und verdrängt demokratische und kollegiale Strukturen. Das alles ist kein Grund für Jubel!

Die Exzellenzstrategie zementiert die Hierarchisierung der Hochschullandschaft, viel Geld konzentriert sich an der Spitze und nur wenig bleibt für die Breite. Von einem Wettbewerb in der Forschung kann keine Rede sein. Die Staatsregierung sollte lieber dafür kämpfen, dass alle sächsischen Hochschulen langfristig sicher finanziert sind. Leuchtturm-Strategien sind auch in der Hochschulpolitik zum Scheitern verurteilt.

Bisher geschieht das Gegenteil: CDU und SPD erpressen die Hochschulen weiter. Sie sollen nicht nur die Studierendenzahlen reduzieren, sondern werden auch noch finanziell bestraft, wenn sie vom Wissenschaftsministerium durchgesetzte Zielvereinbarungen nicht erfüllen. Die Antwort auf eine Aktuelle Anfrage (Drucksache 6/11019) zeigt das. Die Hochschulen haben nur 89 Prozent der vorgegebenen Ziele erreicht. Das bedeutet finanzielle Einbußen – insgesamt werden mehr als 13.287 Millionen Euro innerhalb des Hochschulsystems umverteilt. Auch die für die Exzellenzstrategie auserwählten Universitäten in Dresden und Leipzig sind betroffen. Wie Ziele nun erreicht werden sollen, obwohl weniger Geld fließt, muss die Staatsregierung beantworten.

Wir bleiben dabei: Die ausreichende Grundfinanzierung aller Hochschulen ist das beste Rezept für den Wissenschaftsstandort Sachsen!