Kagelmann: Gemeinsame Petition von Wolfsbefürwortern und -gegnern an den Bund würde Weidetierhaltung wirklich helfen

Zur Petition zur Begrenzung der Wolfspopulation erklärt Kathrin Kagelmann, Lausitzer Abgeordnete der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag:

Der Wolf ist wie kaum ein anderes Tier Gegenstand zahlreicher Petitionen. Wolfsgegner wie -befürworter reagieren sensibel auf jede Entwicklung. Auf 80 000 Unterschriften zur Rettung von „Problemwolf“ Pumpak im letzten Jahr folgen nun über 18.000 Unterschriften für die Begrenzung der Wolfspopulation. Es wird nicht die letzte Petition bleiben. Für die einen gibt es längst zu viel Wolf, für die anderen ist seine Art noch lange nicht gesichert.

Öffentlich kaum bestritten wird allerdings, dass der Wolf hierhergehört und bleiben soll. Fakt ist: Wenn jemand tatsächlich und messbar ein Problem mit der Anwesenheit eines großen Beutegreifers hat, sind es gewerbliche Weidetierhalter. Für deren Nöte habe ich Verständnis, denn deren Mehraufwendungen können nicht einfach auf die ohnehin kaum kostendeckenden Preise von Fleisch oder Wolle aufgeschlagen werden. Dieser erhöhte Aufwand aber bleibt auch bei einer Bejagung des Wolfes bestehen.

Die Förderung von Schutzmaßnahmen durch das Land allein reicht hier nicht mehr aus. Zusätzlich sollten deshalb die allgemeinen Mehraufwendungen einer naturnahen Weidewirtschaft in Wolfsgebieten beispielsweise durch eine erhöhte Flächenprämie honoriert werden.

Ob Wölfe künftig bejagt werden können, hängt zuerst vom allgemeinen Erhaltungszustand der Wolfspopulation ab. Eine solche Bewertung muss wissenschaftlichen Ansprüchen genügen. Auf Bundesebene arbeitet dazu inzwischen eine eigene Dokumentations- und Beratungsstelle, die die Ergebnisse des Wolfsmanagements der Länder zusammenführt und den Bund berät. Hier liegt die Verantwortung für die Gesamtbewertung der Populationsdichte und die Abstimmung von Schutz- oder Regulierungsmaßnahmen innerhalb Deutschlands und der EU.

Fazit: Ob eine Regulierung der Wolfspopulation jetzt überhaupt sinnvoll und artenschutzfachlich möglich ist, muss wissenschaftlich abgeklärt werden. Der Prozess dazu läuft. Dass aber eine Bejagung der Wölfe die Lage der Weidetierhalter in Wolfsgebieten kaum verändert, ist schon heute gesicherte Erkenntnis. Auf die Notwendigkeit einer höheren Förderung der gewerblichen Weidetierhaltung sollten sich also Wolfsbefürworter und -gegner verständigen können. Und vielleicht eine gemeinsame Petition einreichen – am besten beim Bund.