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DIE LINKE. Sachsen

Marika Tändler-Walenta: Nicht in derselben Liga – das gilt leider für den Ost-Fußball wie für den Osten

 

Zur Debatte auf Antrag der Linksfraktion „30 Jahre im selben Land und doch nicht in derselben Liga: Ostdeutsche Fußballvereine fast ohne Chance zum Aufstieg!“ sagt Marika Tändler-Walenta, sportpolitische Sprecherin:

„Am 19. Juli 1990 handelte der DFB-Präsident mit dem Präsidenten des Deutschen Fußball-Verbandes der DDR die ,Sechs-plus-zwei Formel‘ aus: Nur zwei der 14 Vereine aus der DDR-Oberliga werden in die Bundesliga aufgenommen, sechs in die zweite Liga. Namhafte Ostvereine mit Tradition und großer Fan-Basis wurden degradiert. Es folgte der Ausverkauf: Den Sportclubs und Betriebssportgemeinschaften, die von Kombinaten, vom Staat, von Polizei und Armee finanziert worden waren, wurde das Fundament weggeschlagen. Erfahrungen im Profi- und marktwirtschaftlichen Bereich fehlten. Die Lücken füllten Funktionäre und Finanzjongleure aus dem Westen.

Die Entwicklung des Ost-Fußballs ist also ein Spiegelbild der Entwicklung des Landes. Nicht in derselben Liga – dieses Bild trifft für den Osten in weiten Teilen immer noch zu. Es ist zu spät, um den vielen Menschen, denen im Zuge des Beitritts Ungerechtigkeiten widerfahren sind, Wiedergutmachung zu leisten, zu spät, um Gefühle des Geprelltseins und der Zurücksetzung zu verringern. Aber es ist nicht zu spät für eine ehrliche Bilanz als Ausgangspunkt echter Annäherung. Es geht um gerechte Chancen – für Fußballvereine, Unternehmen und jeden Menschen, der im Osten lebt.

Ostdeutsche arbeiten länger, verdienen weniger, sind stärker von Arbeitslosigkeit und Armut bedroht, bekommen für die gleiche Arbeit weniger Rente als im Westen. In Spitzenpositionen sind sie rar. Nur etwa ein Viertel der hundert größten Ost-Unternehmen werden von Ostdeutschen geführt oder stehen in deren Besitz. Die Treuhand hatte großen Anteil an der Demontage der ostdeutschen Gesellschaft – deshalb muss ihr Handeln aufgearbeitet werden. Viele Ost-Betriebe wurden nur zu symbolischen Preisen übernommen, um sie später im Sinne der Marktbereinigung und Beseitigung von Konkurrenz stillzulegen. Westdeutsche Netzwerke bestimmten den Aufstieg westdeutscher Funktionsträger – auch im Fußball. Zu wenige Ostvereine können oben mitmischen. Der ostdeutsche Fußball hat weniger Geld, kaum Chancen in der Bundesliga, ist weniger attraktiv für Sponsoren. Es gibt eben bis heute keine gerechten Chancen. So wie wir Fairness im Fußball brauchen, müssen wir endlich die Voraussetzungen angleichen, unter denen Menschen in Ost und West ihr Leben bestreiten. Das heißt: Gleiche (Tarif)Löhne in Ost und West, angemessene Repräsentanz in Führungspositionen, gleiche Rente für gleiche Arbeit. Wertschätzung und Respekt sind Voraussetzung für fairen Fußball – und dafür, dass unser Land endlich zusammenwächst.“