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Buddeberg: Erste sächsische Studie über Gewalt an LSBTIQ* bringt Licht ins Dunkelfeld

 

Die LAG Queeres Netzwerk Sachsen hat gemeinsam mit der Hochschule Mittweida die erste Dunkelfeldstudie über Gewalterfahrungen von LSBTIQ*-Personen im Freistaat herausgebracht. Diese Studie wurde durch eine Crowdfunding-Kampagne finanziert. Die Staatsregierung sah sich nicht in der Pflicht, eine solche grundlegende Untersuchung zu finanzieren. Befragt wurden lesbische, schwule, bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen, die in den vergangenen fünf Jahren Erfahrungen mit vorurteilsmotivierter Gewalt gemacht haben. Der LAG Queeres Netzwerk zufolge sind die Ergebnisse besorgniserregend. Fast alle der 267 Befragten seien seit 2014 mehrmals beleidigt und viele bedroht worden. Viele erlitten sogar Körperverletzungen. Gewalt, so resümiert die Studie, sei für viele LSBTIQ* in Sachsen eine Alltagserfahrung. Allerdings seien nur 4,3 Prozent der berichteten Gewalterfahrungen bei der Polizei angezeigt worden. Die offizielle Kriminalstatistik von politisch motivierter Kriminalität bildet also auch in Bezug auf Gewalt gegen die sexuelle Orientierung nur einen Bruchteil der realen Gewalterfahrungen ab. Sie registriert für die Zeit von 2001 bis 2017 lediglich 55 Fälle (Drucksache 6/11242).

Der Tag der Veröffentlichung ist nicht zufällig gewählt: Heute vor 25 Jahren wurde mit dem Paragraphen 175 Homosexualität aus dem Strafgesetzbuch gestrichen.

Dazu erklärt Sarah Buddeberg, parlamentarische Geschäftsführerin und Sprecherin für Gleichstellungs- und Queerpolitik der Fraktion DIE LINKE:

 Die Studie bringt etwas Licht ins Dunkel: Sie zeigt, dass die Staatsregierung endlich aktiv werden muss, um LSBTIQ* besser vor Gewalt zu schützen. Dass sie nicht bereit war, selbst eine Erhebung zu finanzieren, überrascht nicht. So war bereits unser Antrag, eine Lebenslagenstudie über LSBTIQ* (Drucksache 6/8236) in Sachsen durchzuführen, abgelehnt worden. So konnten sich CDU und SPD stets hinter den geringen Fallzahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik verstecken – das geht nun nicht mehr. Es muss dringend mehr Geld in die Prävention und in den Opferschutz investiert werden. Wenn Menschen sich nicht mehr trauen, zur Polizei zu gehen, weil sie Angst davor haben, ihre erlebte Gewalt anzuzeigen, dann läuft etwas gewaltig schief. Sollen Polizist*innen wirklich als „Freund und Helfer“ wahrgenommen werden, braucht es etwa spezielle Ansprechpartner*innen für LSBTIQ* und eine verbesserte Zusammenarbeit mit den Vereinen. Außerdem muss die Feindlichkeit gegenüber LSBTIQ*-Personen als eigenständiges Thema in der Aus- und Weiterbildung der Polizei und Justiz vorkommen.

Wir streiten deshalb auch weiter für eine gewaltfreie Gesellschaft, in der alle frei und selbstbestimmt leben können und niemand Angst vor Diskriminierung und Gewalt haben muss – auch nicht aufgrund der eigenen sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität.