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DIE LINKE. Sachsen

Rico Gebhardt: Oh Freunde, nicht diese Töne – Einheits-Konzert in Aue wird den Erfahrungen der Ostdeutschen nicht gerecht

 

Zum geplanten Jubiläumskonzert aus Anlass der Deutschen Einheit am 5. September in Aue erklärt der Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag, Rico Gebhardt:

„Der 30. Jahrestag der Einheit soll mit einem Festkonzert begangen werden. Es spielt die Sächsische Staatskapelle unter ihrem Chefdirigenten Christian Thielemann. Der arme Herr Thielemann, der wohl eher von einem glanzvollen Auftritt in der Semperoper geträumt hatte, muss sich nun mit einem Fußballstadion begnügen. Allerdings hatte er sich einen Fauxpas geleistet, weshalb er bei der Staatsregierung wohl etwas gut zu machen hat: In der umstrittenen Personalie des Kulturamtsleiters in Radebeul hatte Thielemann zunächst für den von der AfD präferierten Jörg Bernig als Mitunterzeichner eines Offenen Briefes Partei ergriffen, seine Unterschrift dann jedoch widerrufen.

Der Stadt Aue, dem Erzgebirgsstadion und meinem Lieblingsverein FC Erzgebirge Aue bringt das Konzert erfreulicherweise Aufmerksamkeit, aber bei einem Thema dieser Dimension geht es um mehr als das. Ich frage mich, ob der Jahrestag der Deutschen Einheit mit einem spektakulären Event begangen werden muss. Wären nicht leisere und vor allem kritische Töne angemessener?

Anstelle einer geschichtspolitischen Selbstbestätigung des Regierungshandelns bieten Jahrestage die Gelegenheit für eine kollektive Selbstverständigung über die moralischen und politischen Grundlagen unseres Zusammenlebens. Der Geschichtsbruch von 1989 brachte für viele Menschen nicht nur einen Gewinn an Freiheit, sondern auch massive Entwertungs- und soziale Verlusterfahrungen. In die Freude mischt sich Verbitterung über den Abbruch eigener Er­werbs- und Entwicklungsbiografien. Die staatsragende Dramaturgie des Feiertages wird der Vielschichtigkeit von Erfahrungen der Ostdeutschen nicht gerecht. Kleinere, dezentrale Veranstaltungen wären weitaus geeigneter als spektakuläre Großveranstaltungen. Deshalb sage ich mit Beethoven: Oh Freunde, nicht diese Töne!“


Pressemeldungen

DIE LINKE. Sachsen

Rico Gebhardt: Oh Freunde, nicht diese Töne – Einheits-Konzert in Aue wird den Erfahrungen der Ostdeutschen nicht gerecht

 

Zum geplanten Jubiläumskonzert aus Anlass der Deutschen Einheit am 5. September in Aue erklärt der Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag, Rico Gebhardt:

„Der 30. Jahrestag der Einheit soll mit einem Festkonzert begangen werden. Es spielt die Sächsische Staatskapelle unter ihrem Chefdirigenten Christian Thielemann. Der arme Herr Thielemann, der wohl eher von einem glanzvollen Auftritt in der Semperoper geträumt hatte, muss sich nun mit einem Fußballstadion begnügen. Allerdings hatte er sich einen Fauxpas geleistet, weshalb er bei der Staatsregierung wohl etwas gut zu machen hat: In der umstrittenen Personalie des Kulturamtsleiters in Radebeul hatte Thielemann zunächst für den von der AfD präferierten Jörg Bernig als Mitunterzeichner eines Offenen Briefes Partei ergriffen, seine Unterschrift dann jedoch widerrufen.

Der Stadt Aue, dem Erzgebirgsstadion und meinem Lieblingsverein FC Erzgebirge Aue bringt das Konzert erfreulicherweise Aufmerksamkeit, aber bei einem Thema dieser Dimension geht es um mehr als das. Ich frage mich, ob der Jahrestag der Deutschen Einheit mit einem spektakulären Event begangen werden muss. Wären nicht leisere und vor allem kritische Töne angemessener?

Anstelle einer geschichtspolitischen Selbstbestätigung des Regierungshandelns bieten Jahrestage die Gelegenheit für eine kollektive Selbstverständigung über die moralischen und politischen Grundlagen unseres Zusammenlebens. Der Geschichtsbruch von 1989 brachte für viele Menschen nicht nur einen Gewinn an Freiheit, sondern auch massive Entwertungs- und soziale Verlusterfahrungen. In die Freude mischt sich Verbitterung über den Abbruch eigener Er­werbs- und Entwicklungsbiografien. Die staatsragende Dramaturgie des Feiertages wird der Vielschichtigkeit von Erfahrungen der Ostdeutschen nicht gerecht. Kleinere, dezentrale Veranstaltungen wären weitaus geeigneter als spektakuläre Großveranstaltungen. Deshalb sage ich mit Beethoven: Oh Freunde, nicht diese Töne!“