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„Gesetz zur Erleichterung der Hochschulzulassung und zur Zuständigkeit für den Erlass von Rechtsverordnungen nach dem Studienakkreditierungsstaatsvertrag“

Rede von MdL René Jalaß während der Zweiten Beratung des Gesetzentwurfs der CDU-Fraktion und der SPD-Fraktion in Drs 6/17121

092. Sitzung des 6. Sächsischen Landtages, 22.05.2019

Es gilt das gesprochene Wort!

 

Herr Präsident,

meine sehr verehrten Damen und Herren,

der Antrag der Koalition dient im ersten Teil dazu, eine unspezifische Vorabquote bei der Zulassung zum Hochschulstudium einzuführen. Diese Vorabquote soll vor allem Spitzensportlern und Spitzensportlerinnen den Hochschulzugang erleichtern. Spitzensportlerinnen und Spitzensportler haben häufig während der Schulzeit und anschließend auch im Studium eine Mehrbelastung zu tragen. Das bedeutet, dass im Schul- und Studienalltag ganz andere Bedürfnisse und Prioritäten vorherrschen. Mitunter leidet dann der Notenschnitt und damit die Abiturnote, als Kriterium für die Hochschulzulassung.

Der wesentliche Grund, dass diese Vorabquote eingeführt werden soll, ist doch, dass die Studienplätze nicht für alle Studieninteressierten ausreichen und deshalb immer mehr Auswahlkriterien geschaffen werden müssen. Es sollen ja nur die besten studieren dürfen. Der Zeitgeist verlangt nach dem Leistungsprinzip. Vielleicht auch ein Grund für die Verengung lediglich auf Olympia-Kader. Vorabquoten mindern aber auch die Chancen für andere Bewerber*innen und Bewerber.

Das ist nicht unser Anspruch, meine Damen und Herren. Wir wollen mehr Studienplätze, damit jede und jeder ein Studium aufnehmen kann und am Ende damit auch Spitzensportler*innen einen Spitzenstudienplatz ohne Vorabquote am Ort und im Fach ihrer Wahl bekommen. Und wir denken auch, dass es wichtig ist, dass die sächsischen Hochschulen unseren Spitzensportlerinnen und Spitzensportlern mit Studieninteresse und ihren spezifischen Bedürfnissen entgegenkommen sollten. So, wie es bspw. an der Universität Leipzig oder der Hochschule in Mittweida auch umgesetzt wird: Zum Beispiel durch eine individuell angepasste Studienplanung, durch flexiblere Möglichkeiten beim Ablegen von Prüfungsleistungen und bei der Durchführung von Praktika. Das bedeutet natürlich auch eine intensivere Betreuung durch die Hochschullehrenden und das wissenschaftliche Personal.

Und da wären wir wieder beim altbekannten Problem, dass dafür eben Personal fehlt bzw. vorhandenes Personal diese Aufgaben kaum zusätzlich übernehmen kann. Und auch das Angebot eines Teilzeitstudiums gibt Spitzensportlern und Spitzensportlerinnen die Möglichkeit ein Studium zu absolvieren. Unseren Ansatz, ein Recht auf Teilzeitstudium, lehnten Sie jedoch jüngst ab. Noch ein weiterer Gedanke: Auch z.B. ehrenamtlich Tätige haben während oder nach ihrer Schullaufbahn eine Mehrbelastung zu meistern und sind für unsere Gesellschaft ebenso eine wichtige Unterstützung.

Die im zweiten Teil des Antrages geforderte verpflichtende und angemessene Berücksichtigung vertiefter Kenntnisse der sorbischen Sprache und des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) Pädagogik bzw. Schule und vergleichbarer praktischer Tätigkeiten an Schulen bei der Zulassung zu einem Lehramtsstudium, können wir im Ansatz unterstützen.

Auch und gerade für das Lehramtsstudium sind erweiterte Sprachkenntnisse oder praktische Erfahrungen im pädagogischen Bereich eine gute Vorkenntnis und Hilfe. Mit Letzterem haben die angehenden Studierenden ideralerweise bereits eine Vorstellung davon, was sie im Studium und auch später im Berufsleben erwartet. Das trägt natürlich auch dazu bei, das sich Personen mit Vorerfahrung bewusster für genau dieses Studium entscheiden und - so hoffen wir - es weniger Studienabbrecher*innen geben wird.

Wir sehen jedoch auch die Einschränkung auf das FSJ Pädagogik bzw. Schule sowie vergleichbare praktische Tätigkeiten an Schulen kritisch. Man kann auch außerschulisch pädagogische Erfahrungen in der freien Nachhilfe, in Vereinen und Initiativen sammeln. Auch diese Erfahrungen sollten bei der Zulassung Berücksichtigung finden. Wir hoffen, dass die Hochschulen das in ihrem eigenen Ermessen auch anerkennen.

Trotz alledem: DIE LINKE will den offenen Hochschulzugang für alle. Solange dies nicht möglich ist, weil die finanziellen Mittel dafür nicht bereitgestellt werden, müssen halbgare Kompromisse herhalten. Das Motiv ist nachvollziehbar, die Lösung aber kein großer Wurf. Wir werden uns zu diesem Gesetzentwurf enthalten.